Maria by Callas

© Foto: ZDF/Fonds de Dotation Maria Callas

© Foto: ZDF/Fonds de Dotation Maria Callas3Sat, 25.04.2020, 20:15-22:10 Uhr. Dokumentarfilm von Tom Volf, Frankreich 2017. Zwei Menschen, sagte sie, gebe es in ihr: Maria und die Callas. Die Frau, deren Schicksal es war, sich der Kunst zu opfern. Und die Sopranistin auf der Suche nach absoluter Vollkommenheit. Maria Callas spricht in dem Dokumentarfilm von Tom Volf offen über sich selbst. Kern ist ein bislang unveröffentlichtes Fernsehinterview der griechisch-amerikanischen Sängerin, begleitet von zahlreichen privaten Aufnahmen und viel Musik aus ihren Opern.
In dem Interview aus dem Jahr 1970 ruft die Operndiva sehr persönlich auch ihre Anfänge als Wunderkind in Erinnerung. Anhand von privaten Foto- und Super-8-Aufnahmen, Aufzeichnungen ihrer großen Auftritte von »Madame Butterfly« über »Tosca« bis »Norma«, wie auch ihrer Briefe, die von Eva Mattes gelesen werden, setzt sich das Mosaik eines Lebens im Dienste der hohen Kunst des Belcanto zusammen.
Doch auch die private Liebestragödie mit dem griechischen Reeder Aristoteles Onassis, der sie für die Kennedy-Witwe Jackie verlassen hatte, wird nicht ausgespart. Dabei geht es dem Dokumentarfilmer Tom Volf weniger um die Huldigung des Weltstars Callas und deren Spiegelung in der Presse, als vielmehr um ein authentisches Porträt der so unerreichbaren »Primadonna assoluta« des 20. Jahrhunderts.
Opernfans kommen auf ihre Kosten: Mit insgesamt zehn komplett ausgesungenen Arien nimmt sich die französische Fernsehproduktion die nötige Zeit, die musikalische Strahlkraft der Ausnahmesängerin Callas wirken zu lassen.

Clara Haskil – Der Zauber der Interpretation

© Foto: ARTE/Seppia, Roger Hauert

© Foto: ARTE/Seppia, Roger HauertArte, 01.03.2020, 22:55-23:55 Uhr und 14.03.2020, 06:15-07:15 Uhr. Clara Haskil gilt als eine der größten Klaviervirtuosinnen des 20. Jahrhunderts. Ihr grenzenlos freies Spiel überzeugte durch eine unglaublich vitale Klangfülle: Dirigenten wie Christian Zacharias, Pianisten wie Michel Dalberto oder Eliane Reyes, Freunde wie Eugène Chaplin und der Maler Michael Garady sowie der Musikkritiker Alain Lompech erinnern sich an ihr Talent und ein Leben, das voller Musik, aber auch voller persönlicher Prüfungen und Drangsal war. Ergänzend zu den Interviews bringen Auszüge aus Clara Haskils Briefen dem Zuschauer ihr bewegtes Leben nahe. Clara Haskil wurde 1895 in Bukarest in eine jüdische Familie geboren und galt bereits als Dreijährige als Wunderkind. In Wien und Paris studierte sie ab 1903 bei Richard Robert, Gabriel Fauré und Alfred Corot. Als 15-Jährige begab sie sich auf Konzerttourneen nach Frankreich, in die Schweiz und Italien. 1913 blockierten ernste gesundheitliche Probleme – aufgrund von Skoliose musste sie vier lange Jahre ein Gipskorsett tragen – zeitweise ihre Karriere. Nach zahlreichen Konzerten in Europa debütierte sie 1924 in den USA in New York und Boston. Ab 1927 lebte sie wieder in Paris. Im Mai 1942 musste ihr ein Tumor entfernt werden, der auf ihren Sehnerv drückte. Kurz vor der Besetzung Marseilles durch die deutsche Wehrmacht konnte sie sich im November 1942 in die Schweiz absetzen. Erst ab den 50er Jahren konnte sie von ihren Einnahmen leben und sich einen eigenen Flügel leisten. Erst in späteren Lebensjahren wurde sie als überragende Mozart-Interpretin ihrer Generation gefeiert. Clara Haskil starb 1960 in Brüssel an den Folgen eines Treppensturzes. Als Hommage an die unbeirrbare Frau und Künstlerin Clara Haskil sagte Charlie Chaplin auf ihrer Beerdigung: »In meinem Leben traf ich drei Genies: Clara Haskil, die beiden anderen waren Einstein und Sir Winston Churchill.«
Obwohl es von ihren Konzerten keine Filmaufnahmen gibt, schöpft der Film aus einem reichen Nachlass. An Clara Haskil erinnern unveröffentlichte Klaviereinspielungen wie etwa von Robert Schumanns »Kinderszenen«, ein reger Briefwechsel, viele Fotos und Kalendereinträge sowie ihr Klavier, ihre Noten und natürlich der renommierte Internationale Klavierwettbewerb Clara Haskil, der nach ihrem Tode im schweizerischen Vevey ins Leben gerufen wurde.

Ein unfassbarer Pianist – Arturo Benedetti Michelangeli

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© Foto: ARTEArte, 12.01.2020, 23:45-00:35 Uhr und 15.01.2020, 05:00-06:00 Uhr. Arturo Benedetti Michelangeli – selbst unter Pianistenkollegen löst dieser Name beinahe Ehrfurcht aus. Er steht für höchste Vollendung, für einen Schönheitskult, wie ihn vielleicht kein anderer Meisterpianist betrieben hat. Am 5. Januar 2020 wäre Arturo Benedetti Michelangeli 100 Jahre alt geworden. Dieses Porträt gibt erstmals einen umfassenden und facettenreichen Überblick über das Erbe des sagenumwobenen Pianisten. Der Filmemacher Syrthos J. Dreher sammelt seit rund 30 Jahren umfangreiche Filmmaterialien und Dokumente, die »ABM« und sein Talent von einer völlig neuen Seite zeigen.
Arturo Benedetti Michelangeli – selbst unter Pianistenkollegen löst dieser Name beinahe Ehrfurcht aus, denn er steht für höchste Vollendung, für einen Schönheitskult, wie ihn vielleicht kein anderer Meisterpianist betrieben hat. Er steht aber auch für kurzfristige Konzertabsagen und von den Medien genüsslich verbreitete Künstlerneurosen.
So lässt Michelangeli einer kleinen technischen Panne wegen sämtliche Aufnahmen der TV-Aufzeichnung des Ravel-Klavierkonzerts mit den Münchner Philharmonikern unter Sergiu Celebidache im Jahr 1992 löschen: Der Ausgangspunkt dieser Dokumentation, denn die Aufnahmen, die für dieses Filmporträt hinter den Kulissen entstanden, sind heute die einzigen Dokumente dieses legendären Konzerts und eröffnen einzigartige Einsichten in Michelangelis perfektionistisches Künstlertum.
»Ein unfassbarer Pianist – Arturo Benedetti Michelangeli« ist das Ergebnis einer 30-jährigen Spurensuche, die nicht nur zu ungewöhnlichen Zeitzeugen wie einem bekennenden Raubkopierer führt, sondern die vor allem eine Fülle von neuem Archivmaterial zutage gefördert hat: So war Arturo Benedetti Michelangeli noch nie zu sehen und vor allem noch nie zu hören. So ist hautnah mitzuerleben, wie der schwer angeschlagene Maestro sich nach einem Herzinfarkt zurück zu alter Perfektion kämpft.

250 Jahre Beethoven – 24 Stunden Beethoven an Neujahr

© Foto: ZDF/3sat/Kat Menschik

© Foto: ZDF/3sat/Kat Menschik3Sat, 01.01.2020, 06:00 Uhr bis 02.01.2020, 06:00 Uhr. Er war selbstbewusst, geschäftstüchtig und revolutionierte die Musikgeschichte: Ludwig van Beethoven. Anlässlich seines 250. Geburtstags widmet sich 3sat am Mittwoch, 1. Januar 2020, ab 6.00 Uhr 24 Stunden lang dem großen deutschen Komponisten. Zu erleben sind am 3satThementag »TATATATAAA – 250 Jahre Beethoven« Sinfonien, Konzerte, Beethovens einzige Oper »Fidelio«, Filme und Dokumentationen zu Leben und Werk des musikalischen Genies, darunter um 20.15 Uhr die neue Dokumentation »Diesen Kuss der ganzen Welt – Beethoven heute« über die Bedeutung des Komponisten in unserer Zeit.

Hier alle Sendungen in der Übersicht:

Rock the Classic – Mad Sin
»Rock the Classic« oder eher »Shock the Classic«
01.01.2020, 06:00-06:45 Uhr

Die Akte Beethoven
Film von Ralf Pleger und Hedwig Schmutte
01.01.2020, 06:45-07:15 Uhr

Sonate für zwei »Beethoven«
Mit Lev Vinocour und Nina Mavis Brunner
01.01.2020, 07:15-07:55 Uhr

Beethoven – Klavierkonzert Nr. 1 C-Dur, op. 15
Wiener Philharmoniker, Rudolf Buchbinder (Klavier und Leitung)
01.01.2020, 07:55-08:35 Uhr

Beethoven – Klavierkonzert Nr. 2 B-Dur, op. 19
Wiener Philharmoniker, Rudolf Buchbinder (Klavier und Leitung)
01.01.2020, 08:35-09:10 Uhr

Beethoven – Klavierkonzert Nr. 3 c-Moll, op. 37
Wiener Philharmoniker, Rudolf Buchbinder (Klavier und Leitung)
01.01.2020, 09:10-09:45 Uhr

Beethoven – Klavierkonzert Nr. 4 G-Dur, op. 58
Wiener Philharmoniker, Rudolf Buchbinder (Klavier und Leitung)
01.01.2020, 09:45-10:25 Uhr

Beethoven – Klavierkonzert Nr. 5 Es-Dur, op. 7
Wiener Philharmoniker, Rudolf Buchbinder (Klavier und Leitung)
01.01.2020, 10:25-11:05 Uhr

Mythos Beethoven (1/6)
Der Revolutionär
01.01.2020, 11:05-11:35 Uhr

Mythos Beethoven (2/6)
Der Revolutionär
01.01.2020, 11:35-12:05 Uhr

Missa Solemnis D-Dur, op. 123
Berliner Philharmoniker, Herbert von Karajan
01.01.2020, 12:05-13:25 Uhr

Mythos Beethoven (3/6)
Der Virtuose
01.01.2020, 13:25-13:55 Uhr

Mythos Beethoven (4/6)
Der Kranke
01.01.2020, 13:55-14:25 Uhr

Beethoven: Sinfonie Nr. 1 C-Dur, op. 21
hr-Sinfonieorchester, Andrés Orozco-Estrada
01.01.2020, 14:25-14:55 Uhr

Karajan dirigiert Beethoven, Symphonie Nr. 3, Es-Dur, op. 55 »Eroica«
Philharmonie Berlin, 1971
01.01.2020, 14:55-15:45 Uhr

Karajan dirigiert Beethoven, Symphonie Nr. 5, c-Moll, op. 67, »Schicksalssymphonie«
Philharmonie Berlin, 1972
01.01.2020, 15:45-16:15 Uhr

Beethoven: Sinfonie Nr. 7 A-Dur, op. 92
hr-Sinfonieorchester, Andrés Orozco-Estrada
01.01.2020, 16:15-17:00 Uhr

Mythos Beethoven (5/6)
Der Unternehmer
01.01.2020, 17:00-17:30 Uhr

Mythos Beethoven (6/6)
Der Unsterbliche
01.01.2020, 17:30-18:00 Uhr

»Fidelio«, Oper in zwei Aufzügen op. 72
Salzburger Festspiele 2015
01.01.2020, 18:00-20:15 Uhr

Diesen Kuss der ganzen Welt
Beethoven heute
01.01.2020, 20:15-21:15 Uhr

Klang der Stille (Copying Beethoven)
Spielfilm, USA 2006
01.01.2020, 21:15-22:55 Uhr

Berliner Philharmoniker Open Air, Beethovens 9. Sinfonie
Saisoneröffnung mit Kirill Petrenko, Brandenburger Tor, Berlin 2019
01.01.2020, 22:55-00:05 Uhr

Die Akte Beethoven
Film von Ralf Pleger und Hedwig Schmutte
02.01.2020, 00:05-00:55 Uhr

Beethoven: Sinfonie Nr. 1 C-Dur, op. 21
hr-Sinfonieorchester, Andrés Orozco-Estrada
02.01.2020, 00:55-01:25 Uhr

Karajan dirigiert Beethoven, Symphonie Nr. 3, Es-Dur, op. 55 »Eroica«
Philharmonie Berlin, 1971
01.01.2020, 01:25-02:15 Uhr

Karajan dirigiert Beethoven, Symphonie Nr. 5, c-Moll, op. 67, »Schicksalssymphonie«
Philharmonie Berlin, 1972
02.01.2020, 02:15-02:45 Uhr

Beethoven: Sinfonie Nr. 7 A-Dur, op. 92
hr-Sinfonieorchester, Andrés Orozco-Estrada
02.01.2020, 02:45-03:35 Uhr

»Fidelio«, Oper in zwei Aufzügen op. 72
Salzburger Festspiele 2015
01.01.2020, 03:35-05:55 Uhr

Sternstunden der Musik – Maria Callas

© Foto: Arte/Ullstein

© Foto: Arte/UllsteinArte, 27.10.2019, 17:40-18:30 Uhr, 28.10.2019, 05:00-05:45 Uhr und 14.11.2019, 05:00-05:45 Uhr. Zu Beginn des Jahres 1964 erlebt die Musikwelt etwas völlig Unerwartetes. Maria Callas kehrt als Primadonna auf die Opernbühne zurück. Ihre »Tosca« am Royal Opera House wird zu einer Sensation. Nicht einmal die Beatles haben mehr Presse. Dabei scheint Maria Callas‘ ruhmreiche Karriere längst am Ende, sie selbst zum Mythos geworden zu sein. Nicht mehr ihre Stimme, sondern Skandale beherrschen die Schlagzeilen. Enttäuscht von ihrer Liebe zu dem Multimilliardär und Playboy Aristoteles Onassis will Maria Callas noch einmal allen zeigen, dass sie den Titel »Primadonna assoluta« zurecht trägt. Unter der Bedingung, dass Starregisseur Franco Zeffirelli die Regie übernimmt, erklärt sich die Ausnahmesängerin dazu bereit, die Rolle der Floria Tosca zu singen. Ihre Fans stellen sich vier, fünf Tage am Londoner Opernhaus in Covent Garden an, verbringen die kalten Winternächte in Schlafsäcken und auf Klappstühlen, um eine der begehrten Karten zu bekommen. Die BBC hat den zweiten Akt der Oper für das Fernsehen aufgezeichnet. Es ist einer der dramatischsten Akte der Operngeschichte: Um den Maler Cavaradossi aus den Händen der Folterer zu befreien, wird Floria Tosca schließlich den Polizeichef Scarpia ermorden. Die Filmaufnahmen gehören zu den ganz seltenen Möglichkeiten, Maria Callas in einer Opernaufführung zu sehen und ihre hoch emotionale Darstellungskunst und ihre stimmlichen Fähigkeiten zu erleben.
Maria Callas: Diva und Stilikone. Eine der größten Opernsängerinnen aller Zeiten. 1964 scheint ihre Karriere am Ende: Nicht mehr ihr Gesang beherrscht die Schlagzeilen, sondern Skandale um die Affäre mit dem Milliardär Aristoteles Onassis. Doch ein epochaler Auftritt straft alle Kritiker Lügen. Die Dokumentation stellt das Konzert in den Mittelpunkt und kommentiert die Ereignisse mit dem Blick von heute.

Mstislaw Rostropowitsch – Der ungezähmte Bogen

© Foto: Arte/E. Yavno

© Foto: Arte/E. YavnoArte, 07.10.2019, 00:15-01:35 Uhr und 15.10.2019, 05:00-06:35 Uhr. Zum 10. Todestag von Mstislaw Rostropowitsch widmete der französische Musiker und Regisseur Bruno Monsaingeon dem russischen Cellisten ein filmisches Porträt. Der Dokumentarfilm erzählt Rostropowitschs bewegtes Leben anhand von seltenen Archivaufnahmen und Gesprächen mit seinen Töchtern Olga und Elena, seinen Freunden Natalja und Ignat Solschenizyn, Marta Casals Istomin, Gennadi Roschdestwenski und dem jungen Cellisten Aleksey Shadrin.
Der Russe Mstislaw Rostropowitsch (1927-2007) gilt neben dem Spanier Pablo Casals (1876-1973) als wichtigster Cellist des 20. Jahrhunderts und als einer der vielseitigsten Musiker überhaupt. Rostropowitsch, der bereits in der Nachkriegszeit Bedeutung in der Musikwelt erlangte, zeigte sich solidarisch mit dem verfemten Schriftsteller Alexander Solschenizyn, der aufgrund seines Romans »Der Archipel Gulag« aus der UdSSR verbannt wurde, und geriet so 1971 in Konflikt mit den sowjetischen Behörden. Rostropowitsch fiel bei dem Regime in Ungnade und emigrierte 1974 nach Paris. Die Sowjetunion erkannte ihm und seiner Frau 1978 die Staatsbürgerschaft ab. Rostropowitsch war auch als Dirigent international anerkannt. Von 1977 bis 1994 leitete er das National Symphony Orchestra (NSO) in Washington. 1989 feierte Mstislaw Rostropowitsch das Ende des Regimes, das ihn zur Emigration zwang, auf seine Weise: Zwei Tage nach dem Fall der Berliner Mauer setzt er sich inmitten des Trubels am Checkpoint Charlie und spielte tief in sich versunken Cellostücke von Bach. Wenig später bekamen Rostropowitsch und seine Frau das Angebot, die Staatsbürgerschaft ihres Heimatlandes wieder zurückzuerhalten. Nach der Rückkehr nach Russland baute das Ehepaar ein Netzwerk wohltätiger Organisationen zur Förderung von Musikern und Sängern auf. Im Laufe seiner Karriere und seines bewegten Lebens begegnete Rostropowitsch so bedeutenden Musikern wie Prokofjew, Schostakowitsch und Dutilleux und inspirierte sie zu Kompositionen, die heute fester Bestandteil des Cello-Repertoires sind. Cellist, Pianist, Dirigent, Pädagoge und Humanist: Mstislaw Rostropowitsch verschrieb sein Leben der Kunst und der Politik. Solschenizyn nannte ihn den »unzähmbaren Bogen«. Der Dokumentarfilm erzählt sein bewegtes Schicksal anhand von seltenen Archivaufnahmen und Gesprächen mit seinen Töchtern Olga und Elena, seinen Freunden Natalja und Ignat Solschenizyn, Marta Casals Istomin, Gennadi Roschdestwenski und dem jungen ukrainischen Cellisten Aleksey Shadrin.

Der Klang der Stimme

© Foto: ZDF/SRF

© Foto: ZDF/SRF3Sat, 07.09.2019, 22:05-22:55 Uhr. Von der Magie der urmenschlichen Begabung. Film von Bernhard Weber. Bernard Webers prämierter Film zeigt vier Menschen, bei denen der Klang der Stimme im Zentrum ihres Lebens steht. Alle vier gehen dabei an Grenzen. Regula Mühlemann, der aufsteigende Schweizer Sopranstar, erfährt die Grenzen des Machbaren bei einer CD-Aufnahme. Vokalakrobat Andreas Schaerer bewegt sich auf riskanten Pfaden von menschlichem Ausdruck und Klangerzeugung.
Der Forscher Matthias Echternach will das Geheimnis der Klangerzeugung im Körper ergründen. Die Stimmtherapeutin Miriam Helle sucht mit Menschen den Weg zu ihrem persönlichen Klang.
Bernard Webers Film berührt mit seiner Nähe zu den Protagonisten und mit starken klanglichen Erlebnissen. Bei den Solothurner Filmtagen 2018 erhielt er den Publikumspreis.

Barbara Hannigan – ein Opernstar auf neuen Wegen

© Foto: ZDF/Carmen Belaschk

© Foto: ZDF/Carmen Belaschk3Sat, 18.05.2019, 21:40-22:40 Uhr. Von Casting, Coaching und Karriere. Film von Maria Stodtmeier.
Barbara Hannigan hat es geschafft, sich als Künstlerin neu zu definieren: Sie begeistert das Publikum gleichermaßen als Sängerin und Dirigentin. Auch startet sie ihr eigenes Nachwuchsprojekt.
Für die Rollenbesetzung der ersten Oper, die sie sich als Dirigentin erarbeitet, geht Hannigan einen radikal neuen Weg: Sie castet talentierte Nachwuchssänger, denen sie ein Coaching bietet. Mit dem Rüstzeug sollen sie an den Opernbetrieb herangeführt werden.
Anstatt auf bekannte und erfahrene Sänger zurückzugreifen, gibt Barbara Hannigan jungen Gesangstalenten aus aller Welt die Möglichkeit, Teil eines Nachwuchsprogramms namens »Equilibrium« zu werden. Bei dieser ungewöhnlichen Herangehensweise an eine Opernbesetzung geht es ihr nicht nur darum, jungen Talenten Karrierepfade zu öffnen oder den Einstieg in die hart umkämpfte Opernwelt zu ermöglichen. Persönliche, zum Teil schmerzliche Erfahrungen in ihrer eigenen beruflichen Laufbahn bringen in ihr den Wunsch auf, einen ganzheitlicheren Ansatz zu verfolgen: Menschliche Begegnung, richtiges Zuhören und ein ehrlicher Austausch sollen die Sänger stark machen für ihre Karriere im Opernbetrieb.
Dabei sind natürlich perfekte Intonation und gute Technik ausschlaggebend, doch Barbara Hannigan legt ihren Fokus auch auf Themen außerhalb der Musik, die einen Karriereverlauf positiv oder negativ beeinflussen können: Der Umgang mit Einsamkeit, der Stress der Reisen zwischen den Auftrittsorten, das Aushalten von Erschöpfungszuständen oder Krankheitssymptomen.
Die Figur der »Anne« in Strawinskys »The Rake’s Progress – Der Wüstling« war für die junge Sopranistin Barbara Hannigan die erste Opernrolle ihrer Laufbahn. 2018 ist es die erste Oper, die sie sich als Dirigentin erarbeitet, gemeinsam mit den Göteborger Symphonikern. Für die talentierten Musiker, die von ihr gecastet, gecoacht und durch die Proben begleitet werden, ist es die Chance, intime Einblicke und Erfahrungen eines Opernstars zu teilen. Die Dokumentation begleitet die Ausnahmekünstlerin dabei, wie sie sich auf dem Höhepunkt ihrer Karriere auf ihre eigenen Anfänge besinnt, Talente fördert und ihnen eine große Bühne bereitet.

The Music of Strangers – Yo-Yo Ma & The Silk Road Ensemble

Foto: © BR Fernsehen

Foto: © BR FernsehenARD-Alpha, 28.04.2019, 20:15-21:15 Uhr. Im Jahr 2000 begann der Cellist Yo-Yo Ma eine außergewöhnliche musikalische Weltreise. Er formte Musikerinnen und Musiker aus den Ländern entlang der ehemaligen Seidenstraße zu einem interkulturellen Orchester. Im Silk Road Ensemble treffen Viola, galizischer Dudelsack und chinesische Pipa-Laute aufeinander. Das Orchester pflegt die musikalische Identität verschiedenster Kulturen und geht neue klangliche Wege. Der Oscar-gekrönte Regisseur Morgan Neville hat das Orchester jahrelang begleitet.
Im Jahr 2000 machte sich der amerikanische Weltklasse-Cellist mit chinesischen Wurzeln Yo-Yo Ma auf zu einer außergewöhnlichen musikalischen Weltreise. Er begann, Musikerinnen und Musiker aus den Ländern entlang der ehemaligen Seidenstraße miteinander bekannt zu machen, und formte mit ihnen ein interkulturelles Orchester. Im Silk Road Ensemble spielen – in wechselnder Besetzung – rund 60 Solisten aus über 20 Nationen und pflegen dabei die musikalische Identität ihrer verschiedenen Kulturen. Sie gehen aber auch neue experimentelle Wege: Galizischer Dudelsack und chinesische Pipa-Laute, iranische Stachelgeige und klassisches Violoncello verbinden ihre Klangtraditionen zu Neuem. Der oscargekrönte Regisseur Morgan Neville hat das Orchester um Yo-Yo Ma jahrelang begleitet und porträtiert den Gründer und die Musikerinnen und Musiker in Interviews, bei der Probenarbeit, bei Auftritten in Konzerten und Vorträgen. Der Film wirft die Frage auf, was musikalische Heimat und Identität sind – und wie (un-)politisch ein interkulturelles Orchester sein kann.
So wie die historische Seidenstraße einst die westliche und die östliche Welt miteinander verband, setzt auch Yo-Yo Ma in seinem Silk Road Ensemble auf interkulturellen Ideenaustausch. Im Dokumentarfilm wird gezeigt, wie sich die Musikerinnen und Musiker gegenseitig inspirieren, Grenzen ausloten, einander annähern und zum Symbol für Völkerverständigung werden. »Ich glaube, Yo-Yo will eigentlich kein Musiker sein«, erklärt ein amerikanischer Musiker aus dem Orchester, »er will jemand sein, der die Welt verändert und der zufällig ein Cello dabei hat.«
2014 gewann Regisseur Morgan Neville einen Oscar für »20 Feet From Stardom«, seinen mitreißenden Dokumentarfilm über Backgroundsängerinnen in der amerikanischen Popmusik. Auch mit »Yo-Yo Ma & the Silk Road Ensemble – The Music of Strangers« war er sehr erfolgreich: 2017 wurde der Dokumentarfilm für den Grammy in der Kategorie »Bester Musikfilm« nominiert. Yo-Yo Ma und das Silk Road Ensemble gewannen 2016 mit ihrem Album »The Music of Stranger« den Grammy als »Bestes Weltmusikalbum«.

Leningrad Symphonie – Eine Stadt kämpft um ihr Leben

Foto: © Arte/Gebrueder Beetz Filmproduktion

Foto: © Arte/Gebrueder Beetz Filmproduktionrbb, 27.01.2019, 23:05-00:35 Uhr. August 1942: Inmitten des unfassbaren Leids der Blockade von Leningrad durch die deutsche Wehrmacht soll ein Orchesterdirigent einen nahezu unmöglichen Auftrag erfüllen: die Aufführung von Dimitri Schostakowitschs 7. Symphonie. Die Aufführung wird zum Symbol eines kurzen Triumphes der Kultur über die Barbarei des Krieges.
Auf der Seite der deutschen Invasoren steht der junge Unteroffizier Wolfgang Buff, der zunehmend an der Grausamkeit der Ostfront verzweifelt. Eine Geschichte über den unbeugsamen Überlebenswillen und das Ringen um Menschlichkeit im Angesicht des Todes.
Im September 1941 schließt die deutsche Wehrmacht den Blockadering um Leningrad. In der folgenden 872 Tage andauernden Belagerung finden über eine Million Zivilisten den Tod. Eine Quelle der Hoffnung in dieser Zeit sind das Radio und die Musik von Karl Eliasberg und seines Rundfunkorchesters. Eliasberg erhält den Auftrag seines Lebens: Er soll die 7. Symphonie von Dimitri Schostakowitsch aufführen und der Welt zeigen, das Leningrad lebt. Doch sein Orchester zählt nur noch 16 Überlebende.
Eindrückliche Interviews mit Zeitzeugen, einzigartige Archivaufnahmen aus dem besetzten Leningrad und aufwendig produzierte Spielszenen zeichnen die erschütternde Geschichte der Belagerung Leningrads nach, die als eines der größten Kriegsverbrechen des Zweiten Weltkriegs gilt. Zugleich dokumentieren sie eine große Propagandaschlacht: Die Aufführung der »Leningrader Symphonie« gilt in Russland bis heute als ein Wendepunkt des Krieges.