Theresienstadt – Musik als Zuflucht

© Foto: Bayerische Akademie der Schönen Künste/BR/NIGHTFROG GmbHBayerisches Fernsehen, 07.11.2018, 00:15-01:15 Uhr. »Theresienstadt – Musik als Zuflucht« ist ein Film von Musikern über die Musik an einem der dunkelsten Orte der Menschheitsgeschichte. Er vermittelt die kostbare Begegnung mit Zeitzeugen und die teilweise sehr persönlichen Beweggründe der nächsten Musikergeneration, dem Vergessen entgegenzuwirken.
»Vom ersten Ton an geht es direkt in unsere Seele. Wir sind nicht mehr auf dieser Welt.« Die Dokumentation »Theresienstadt – Musik als Zuflucht« beginnt mit diesen Worten der Pianistin und Zeitzeugin Alice Herz-Sommer, die im Interview mit dem Geiger Daniel Hope die Macht der Musik beschreibt. Mit 110 Jahren (2013) ist sie die älteste Holocaust-Überlebende der Welt. Ein weiterer Musiker, der vom grausamen Leben im Ghetto berichtet, ist der Jazz-Gitarrist Coco Schumann, der mit den »Ghetto Swingers« täglich im sogenannten »Caféhaus« spielen musste. »Ich bin der Musik dankbar, weil sie mir das Leben gerettet hat,« berichtet er aus heutiger Perspektive, während er für diese Produktion noch einmal die Last auf sich nimmt, durch die Gassen von Theresienstadt zu gehen. Die Nationalsozialisten bauten Theresienstadt perfide und systematisch als Vorzeigelager auf. Damit täuschten sie erfolgreich das Internationale Rote Kreuz. Einzig und alleine aus diesem Grund war Kultur ab 1942 in Theresienstadt auch offiziell erlaubt.
Die Kamera begleitet Alice Herz-Sommer und Coco Schumann auf ihrem Erinnerungsweg zurück in eine schreckliche Vergangenheit und lässt den Zuschauer mit detaillierten Beschreibungen des Ghetto-Alltags hautnah an der Reise voller intimer, schmerzhafter Erinnerungen und Gefühle teilhaben. Musik von Komponisten, die in Theresienstadt interniert waren, unter ihnen Ilse Weber, Karel Svenk, Robert Dauber, Viktor Ullmann und Pavel Haas, ergänzt die Interviews und Rundgänge auf beeindruckende Weise.
Zu hören und zu sehen ist ferner ein Konzert der Mezzosopranistin Anne Sofie von Otter, auf deren Initiative das Programm entstand, des Geigers Daniel Hope, des Pianisten Bengt Forsberg und des Kontrabassisten, Gitarristen und Akkordeonisten Bebe Risenfors. Letzterer begleitet auch den Bariton Christian Gerhaher an die Originalschauplätze des menschenverachtenden Ghettos.
Solisten: Anne Sofie von Otter, Daniel Hope, Christian Gerhaher, Bengt Forsberg, Bebe Risenfors

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