Mozarts Hochzeit des Figaro

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© Foto: Arte/GTG/Magall DougadosArte, 29.09.2019, 23:55-03:40. Aus dem Grand Théâtre de Genève 2017. Mit Regula Mühlemann (Susanna), Avery Amereau (Cherubino), Monica Bacelli Marcellina), Bruce Rankin (Don Basilio), Fabrice Farina (Don Curzio), Balint Szabo (Bartolo), Ildebrando d’Arcangelo (Le Compte Almaviva), Nicole Cabell (La Comtesse Almaviva), Seraina Perrenoud (Barbarina), Guido Loconsolo (Figaro). Choeur du Grand Théâtre de Genève, Orchestre de la Suisse Romande, Marko Letonja (Dirigent), Tobias Richter (Inszenierung).

Ildebrando D’Archangelo als adliger Schürzenjäger, Regula Mühlemann als sein auserkorenes Opfer Susanna, Guido Loconsolo, der als Figaro seinen Boss bloßstellt – Tobias Richter und Marko Letonja liefern eine spritzige Fassung von Mozarts Opernklassiker, zu dem Beaumarchais mit seiner politisch hochbrisanten Komödie die Vorlage lieferte.
Heute würde es in die Kategorie »sexuelle Belästigung« fallen, wenn der Graf Almaviva der Zukünftigen seines Bediensteten Figaro bis ins Schlafzimmer nachstellt. Zu Mozarts Zeiten waren so verkommene Adlige und zu intelligente Diener auf der Bühne nicht erwünscht. »Die Hochzeit des Figaro« kam am 1. Mai 1786 in Wien zur Uraufführung, genau zwei Jahre nach der Premiere des Stücks von Beaumarchais.
Der Librettist Lorenzo Da Ponte trug mit seiner Adaptation maßgeblich zur Entstehung des Werks bei und umging geschickt die Zensur. Mozart entblößt meisterhaft die menschliche Seele in all ihrer Tiefe und Komplexität. Der Herr lässt seinen Diener leiden, indem er dessen Verlobte Susanna umwirbt. Um dem lüsternen Grafen zu entkommen, verbündet sich die listige Susanna mit der melancholischen, vom untreuen Gatten verlassenen Gräfin. Wird es den beiden gelingen, den Grafen umzustimmen und dessen Ehe mit der Gräfin zu retten?
Ein Ränkespiel der Liebe und des Zufalls, voller Verwechslungen und theatraler Wendungen – bei ARTE in einer Inszenierung von Tobias Richter aus dem Grand Théâtre de Genève.
Musikalische Höhepunkte sind die von den Streichern getragene Ouvertüre mit Holzbläserparts und natürlich die berühmten Arien wie Cherubinos »Voi che sapete« und Figaros spöttisches »Non più andrai«. Der slowenische Dirigent Marko Letonja führt im Orchestergraben der Genfer Oper den Stab. Den Figaro spielt Guido Loconsolo, seine Verlobte verkörpert Susanna von Regula Mühlemann und als Graf Almaviva und dessen Gattin Rosina glänzen Ildebrando D’Arcangelo und Nicole Cabell.

Philharmonix – The Berlin Vienna Music Club

© Foto: Arte/Christoph Valentien

© Foto: Arte/Christoph ValentienArte, 22.09.2019, 17:40-18:25 Uhr, 23.09.2019, 05:00-06:00 Uhr und 23.09.2019, 05:00-05:45 Uhr. Mit Noah Bendix-Balgley (Violine), Sebastian Gürtler (Violine), Thilo Fechner (Viola), Stephan Koncz (Cello), Ödön Rácz (Kontrabass), Daniel Ottensamer (Klarinette), Christoph Traxler (Klavier).

Der Kopf muss sich freuen, das Herz jubeln und das Bein zucken. So das Motto von Philharmonix. Gegründet von Mitgliedern der Berliner und Wiener Philharmoniker haben sich die Philharmonix einen wichtigen Code in ihre Ensemble-DNA geschrieben: Sie spielen alles, worauf sie schon immer Lust hatten. Immer trifft dabei Virtuosität und eiserne Disziplin auf unbändige Freude und Leidenschaft für die Musik. Der Film holt die mitreißende Musik der siebenköpfigen Truppe runter von der Bühne und mitten rein ins Leben. Ob Walzer im Waschsalon, »Don’t stop me now« über den Dächern von Berlin oder transsilvanische Tänze auf einem Floß auf dem Müggelsee.
Gegründet von Mitgliedern der Berliner und Wiener Philharmoniker haben sich die Philharmonix einen wichtigen Code in ihre Ensemble-DNA geschrieben: Sie spielen alles – wirklich ALLES! –, worauf sie schon immer Lust hatten. Und sie spielen es, wo sie wollen. Auf der Brücke oder der Rolltreppe, unter Arkaden oder Unterführungen, am Flussufer, neben dem Riesenrad oder einfach mitten auf der Straße. Nicht alles ist klassische Musik. Aber alles hat musikalische Klasse. Und immer trifft dabei Virtuosität und eiserne Disziplin auf unbändige Freude und Leidenschaft für Musik. Und zwar aller Art: Tristan trifft auf Tango, Strauss’ »Fledermaus« auf »Don’t stop me now«, der Ragtime »Rose Room« auf Beethoven.
Es ist Musik, die sie nicht nur mit Leib und Seele spielen, sondern die sie zum großen Teil auch selbst komponiert oder arrangiert haben. Einer der beiden kompositorischen Köpfe ist der Cellist Stephan Koncz. Sein Anspruch: »Du probierst, dass der Kopf sich freut, das Herz jubelt und das Bein zuckt.« Und das gelingt!
Die Philharmonix sind allesamt Solisten der Spitzenklasse. In ihren Hausorchestern spielen sie auf den Solo-Positionen, Noah Bendix-Balgley ist sogar der Konzertmeister der Berliner Philharmoniker. Und so ist der Berlin Vienna Music Club durchaus auch organisatorisch eine Herausforderung: zwei verschiedene Orchester, die man zusammenbringen muss und viele solistische Tätigkeiten. Doch wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg. In diesem Fall sogar gepflastert mit Musik.

Antrittskonzert von Cristian Măcelaru beim WDR Sinfonieorchester

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© Foto: WDR/Joern NeumannWDR, 15.09.2019, 08:45-10:15 Uhr. Aufnahme vom 6. September 2019 in der Kölner Philharmonie. Chor des Bayerischen Rundfunks, WDR Rundfunkchor, WDR Sinfonieorchester, Cristian Măcelaru (Leitung), Simona Saturová (Sopran), Michael Nagy (Bariton).

Gustav Mahler : Sinfonie Nr. 4 G-Dur für Orchester und Sopransolo
Antonín Dvorák: Te Deum op. 103 für Soli, Chor und Orchester

Festliche Paukenschläge als Auftakt zu einer neuen Ära: Für seinen Einstand als Chefdirigent wählte Cristian Măcelaru neben Gustav Mahlers Sinfonie Nr. 4 das kontrastreiche »Te Deum« von Antonin Dvorák – komponiert 1892 zur 400-Jahr-Feier der (angeblichen) Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus. Doch der jubelnde Lobgesang ist keineswegs frei von aggressiven Zügen; auch das im Finale der Mahler-Sinfonie besungene »himmlische Leben« aus seinen Wunderhorn-Liedern ist dann doch ziemlich irdisch.
Seit 2012 hatte der gebürtige Rumäne in den USA den Ruf eines Senkrechtstarters. Er war kurzfristig für Pierre Boulez beim Chicago Symphony Orchestra eingesprungen. Zuvor hatte er Violine studiert und wurde mit 19 der jüngste Konzertmeister in der Geschichte des Miami Symphony Orchestra. Danach studierte er Orchesterleitung und dirigierte unter anderem das Los Angeles Philharmonic und das New York Philharmonic. Ab 2013 war er drei Spielzeiten Conductor-in-residence des Philadelphia Orchestra und auch regelmäßig Gastdirigent in Europa – wie beim Concertgebouw Orchestra Amsterdam, beim Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks und dem Gewandhausorchester Leipzig.
Der Funke und seine Begeisterung für Musik springen bei Cristian Măcelaru direkt über. Dass er für seinen neuen Posten als Chefdirigent von Philadelphia an den Rhein zieht und unbedingt Deutsch lernen will – neben den Sprachen Rumänisch, Englisch, Französisch und Italienisch, die er bereits beherrscht – ist für ihn eine Selbstverständlichkeit.
Cristian Măcelaru folgt dem finnischen Chefdirigenten Jukka-Pekka Saraste, der das WDR Sinfonieorchester neun Jahre lang geleitet hat. Um den 1980 geborenen Nachfolger kennenzulernen, stellt ihn Marion Ammicht in einem Porträt vor – dafür hat sie ihn mit Kamerateam auch in seiner Geburtsstadt Temeswar besucht.

 

Der Klang der Stimme

© Foto: ZDF/SRF

© Foto: ZDF/SRF3Sat, 07.09.2019, 22:05-22:55 Uhr. Von der Magie der urmenschlichen Begabung. Film von Bernhard Weber. Bernard Webers prämierter Film zeigt vier Menschen, bei denen der Klang der Stimme im Zentrum ihres Lebens steht. Alle vier gehen dabei an Grenzen. Regula Mühlemann, der aufsteigende Schweizer Sopranstar, erfährt die Grenzen des Machbaren bei einer CD-Aufnahme. Vokalakrobat Andreas Schaerer bewegt sich auf riskanten Pfaden von menschlichem Ausdruck und Klangerzeugung.
Der Forscher Matthias Echternach will das Geheimnis der Klangerzeugung im Körper ergründen. Die Stimmtherapeutin Miriam Helle sucht mit Menschen den Weg zu ihrem persönlichen Klang.
Bernard Webers Film berührt mit seiner Nähe zu den Protagonisten und mit starken klanglichen Erlebnissen. Bei den Solothurner Filmtagen 2018 erhielt er den Publikumspreis.

Abschiedskonzert von Jukka-Pekka Saraste

© Foto: WDR/Thomas Kost

© Foto: WDR/Thomas KostWDR, 01.09.2019, 08:25-10:00 Uhr. Mahler und Beethoven mit dem WDR Sinfonieorchester. Nach neun Jahren als Chefdirigent verabschiedet sich Jukka-Pekka Saraste vom WDR Sinfonieorchester. Vor allem das »deutsche Repertoire« der Klassik und Romantik hat es dem Finnen angetan. Wie ein roter Faden zieht sich Gustav Mahler durch seine Kölner Amtszeit und mit dessen 5. Sinfonie beendet er sie. Auch die Aufnahme aller Sinfonien von Ludwig van Beethoven war ein großer Erfolg, den Saraste zum Abschied nachklingen lässt: Er dirigiert Beethovens Große Fuge in einer Fassung für reines Streichorchester.
Seit 2010 hat Jukka-Pekka Saraste das WDR Sinfonieorchester geleitet und mit großer Detailverliebtheit und sprichwörtlicher nordischer Kühle geprägt. Die Inszenierung der eigenen Person und der große Auftritt sind nicht das Ziel des Finnen, auch nicht in der Musik. Sie beginnt unter seinem Taktstock kontrolliert, entfaltet sich dann aber schnell zu erzählerischen Bögen und überraschenden Energiebahnen. Saraste ist kein Musik-«Darsteller« mit großen Gesten und kokettem Hüftschwung, sondern versteht sich als Musik-«Ermöglicher«, dem es auf den großen Atem ankommt.
Das Abschiedsprogramm von Jukka-Pekka Saraste ist übrigens ein echt rheinisches: Gustav Mahlers 5. Sinfonie wurde 1904 in Köln uraufgeführt, Mahler hatte das Gürzenich-Orchester selbst dirigiert. Sie beginnt mit einem Trauermarsch, doch am bekanntesten ist sicher der Anfang des 4. Satzes: Das Adagietto – ursprünglich als Liebeserklärung an Alma komponiert – spielen nur Streicher und Harfe. Luchino Visconti hat es 1971 in seiner Verfilmung von »Tod in Venedig« genutzt. Und bei der Musik eines Bonners erklingen ausschließlich Streicher: Saraste dirigiert Ludwig van Beethovens Große Fuge für Streichquartett in einer Streichorchesterfassung von Felix Weingartner. Hier erscheinen die sich kreuzenden Melodielinien und Dissonanzen noch kompromissloser und faszinierender. Jukka-Pekka Saraste hatte zunächst Violine studiert und war Geiger im Finnischen Radiosinfonieorchester. So schließt sich am Ende seiner Kölner Zeit der Kreis – nicht als Solist, aber bei der Musikauswahl.

Ludwig van Beethoven / Felix Weingartner Streichquartettsatz B-Dur »Große Fuge« op. 133 (1825), Bearbeitung für Streichorchester

Gustav Mahler Sinfonie Nr. 5 cis-Moll (1901-02)