Montag, 12.02.2024 01:40-03:25 Uhr
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Les Indes Galantes
Eine Choreographie von Bintou Dembélé

© Foto: Arte/Les Films Pelleas

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Eine neue Generation »stürmt« die (Bühne der) Bastille! – 2019 versammelte der französische Künstler Clément Cogitore 30 junge Streetdancer auf der Bühne der Pariser Opéra Bastille: Sie sollten das Meisterwerk »Les Indes galantes« von Jean-Philippe Rameau neu interpretieren. Das Libretto der 1735 uraufgeführten Ballettoper stammt von Louis Fuzelier und bedient das Klischee des »gutmütigen Wilden«.
Bereits 2017 hatte Cogitore im Rahmen des Experimentalformats »3e scène« der Pariser Oper den berühmten »Tanz der großen Friedenspfeife« aus Rameaus Werk als Krumping-Battle zwischen einer Gang und dem Opernensemble inszeniert. Die daraus entstandene Dokumentation erläutert die politische Dimension des Vorhabens: Zum ersten Mal in seiner Geschichte bringt das renommierte Haus Opernsänger und junge Tänzer aus den Domänen Voguing, Krumping, Flexing, Hip-Hop und Electro-Musik zusammen. Mit Gesang, Tanz und Gestik entlarven und brandmarken sie die Stereotypen der in Zeiten von Kolonialismus und Sklaverei entstandenen Oper.

Regisseur Philippe Béziat fängt diesen Traum von einer anderen Opernwelt ein und dreht einen Musikfilm, in dem es nicht nur um Musik geht, sondern vor allem um die Auseinandersetzung der Tänzer mit dem Werk. Sie gehen der Frage nach, was diese jungen französischen Streetdancer, die oft einen Migrationshintergrund haben, heute aus Rameaus Oper ziehen? Sicher ist, dass sie und alle anderen Beteiligten für das Projekt brennen – vom Maschinisten über die Sänger bis hin zum argentinischen Dirigenten Leonardo García Alarcón. Um dieses Engagement spürbar zu machen, baut Philippe Béziat ungewöhnliche Sequenzen ein, darunter Videos, die die Tänzer selbst für Freunde und Social Media gedreht haben, Storys und aus dem Off zu hörende Betrachtungen der Protagonisten.
Die Dokumentation begleitet die Tänzer auch außerhalb des Opernhauses, steigt mit ihnen in den Vorstadtzug, der sie jeden Morgen zu ihrer altehrwürdigen Arbeitsstätte bringt.

Bei diesem spannenden Blick hinter die Kulissen schwingen gesellschaftspolitische Erwägungen mit und es wird deutlich, dass sich soziale Zuschreibungen durch die Erfindung einer gemeinsamen Sprache überwinden lassen.