Arvo Pärt, Robert Wilson – Adam´s Passion

© Foto: ARTE/Kristian Kruuser, Kaupo, Kikkas

© Foto: ARTE/Kristian Kruuser, Kaupo, KikkasArte, 07.03.2017, 01:35-03:10 Uhr. Beide prägen die internationale Musik- und Kunstszene seit Jahrzehnten, beide genießen weltweit höchstes Ansehen: Arvo Pärt, geboren 1935, der meistgespielte zeitgenössische Komponist unserer Zeit, und Robert Wilson, geboren 1941, einer der international gefragtesten Bühnenregisseure. Erstmals haben Arvo Pärt, der im September 2015 seinen 80. Geburtstag feiert, und Robert Wilson nun ein gemeinsames Projekt erarbeitet: Inszeniert wurde »Adam’s Passion« in einer ehemaligen sowjetischen U-Boot-Fabrik in Tallinn.
Erstmals haben Arvo Pärt, der im September 2015 seinen 80. Geburtstag feiert, und Robert Wilson ein gemeinsames Projekt erarbeitet, das durch die so unterschiedlichen Biografien und Herangehensweisen der beiden Künstler zu einem der spannendsten Bühnenereignisse des Jahres 2015 geworden ist. Dazu trägt auch die spektakuläre Kulisse bei: Inszeniert wurde »Adam’s Passion« in einer ehemaligen sowjetischen U-Boot-Fabrik, der Noblessner Foundry in Tallinn.Der Raum mit seinen natürlichen Gegebenheiten wurde von Robert Wilson in das Konzept integriert, zusätzlich wurden eine große Bühne und ein riesiger Laufsteg in die Halle gebaut. Wilson ist ein Meister des Lichts, dessen persönliche Erlebniswelten für seine Inszenierungen Motor und Inspiration sind; Pärts Kompositionen zeichnen sich durch klare Harmonien und schlichte Schönheit aus.Der Aufführung liegen drei zentrale Werke von Arvo Pärt zugrunde: »Adam’s Lament«, »Miserere« und »Tabula Rasa«. Zudem komponierte Pärt eigens ein neues Werk, »Sequentia«, das den Auftakt der Inszenierung von »Adam’s Passion« bildet und hier erstmals erklang.Die hier zu erlebende Welturaufführung fand am 12. Mai 2015 in Tallinn statt, gefolgt von weiteren Aufführungen. Das Kammerorchester Tallinn, der Estnische Philharmonische Kammerchor und die Solisten standen unter der musikalischen Leitung des Dirigenten und Grammy-Preisträgers Tõnu Kaljuste, der bereits eine Vielzahl der Werke Arvo Pärts uraufgeführt hat. Mit Schauspielern und Statisten wirkten über 100 Personen bei dieser atemberaubenden Produktion mit.
Die internationale Presse zeigte sich beeindruckt von der Uraufführung. So schrieb unter anderem die »Frankfurter Allgemeine Zeitung«: »Die zeitlupenhaften Bewegungen der stumm agierenden Figuren und die raffinierten, punktgenauen Lichtwirkungen, charakteristische Elemente [Wilsons] Personalstils, kehrten im Zusammenwirken mit Pärts Musik unerwartete Qualitäten hervor. Narrative Elemente wurden äußerst sparsam gesetzt, Szene und Musik potenzierten sich zu einer Dramatik hochgespannter Erwartung.«

Richard Strauss: Salome

Foto: © ZDF/ORF, Roman Zach-Kiesling

Foto: © ZDF/ORF, Roman Zach-Kiesling3Sat, 11.08.2018, 20:15-22:00 Uhr. Ein Lehrstück über Dekadenz und Macht, Lust und Perversion. Regisseur Romeo Castellucci verspricht eine auf das Wesentliche reduzierte Neuinszenierung. Franz Welser-Möst dirigiert die Wiener Philharmoniker. Die Titelpartie verkörpert die litauische Sopranistin Asmik Grigorian, John Daszak gibt den Herodes.

Die Uraufführung 1905 in Dresden war ein Skandalerfolg: Wohl noch nie zuvor war weibliches Begehren so ungehemmt deutlich auf eine Opernbühne gebracht worden wie in Richard Strauss‘ Einakter nach dem gleichnamigen Drama von Oscar Wilde. Und der ursprünglich biblische Stoff von Salome, die mit ihrem Schleiertanz König Herodes, ihren Stiefvater, gefügig macht und sich von ihm den Kopf des Täufers Johannes bringen lässt, reizt Regisseure bis heute.
Eine literarische Hochkonjunktur erlebte »Salome« im Frankreich des späten 19. Jahrhunderts: als Femme fatale und Inbild pervertierter Lust. Den Höhepunkt bildet Oscar Wildes in französischer Sprache verfasste, den Geist des Fin de Siècle atmende Tragödie »Salomé«. Die ursprüngliche Blickkonstellation erweiternd, spinnt Wilde ein ganzes Netz von obsessiven und unerwiderten Blicken zwischen den Figuren, als Ausdruck oder Quelle von Begehren. Kann man sich dem Blick entziehen, wie Jochanaan glaubt, der Salome verbieten will, ihn anzusehen »mit ihren Goldaugen unter den gleißenden Lidern«? Lässt sich der Blick verleugnen, um einzig dem Wort zu vertrauen? Wildes Tragödie entfaltet sich zwischen den Polen von Auge und Ohr, Körperlichkeit und Geistigkeit, Klang und Wort, Schauen und Erkennen.
Als Richard Strauss 1903 begann, eine gekürzte deutsche Übersetzung des skandalumwitterten Stücks zu vertonen, sah er sich vor die Herausforderung gestellt, diese Gegensätze im Medium der Musik zu vermitteln – oder auch zu relativieren. Als Komponist fand Strauss nach den symphonischen Dichtungen mit »Salome« nun auch im Bereich der Oper zu einer eigenständigen Sprache: Der bis dahin ungeahnte Reichtum an Klangfarben ist nur eines ihrer unverwechselbaren Merkmale.
Die für Salzburg konzipierte Inszenierung macht die Figur der Salome zum Angelpunkt, verwandelt sie in die Flamme, die alles Anwesende belebt und die im Tanz der sieben Schleier emporlodert und sich verbraucht. Der Tanz bildet den Höhepunkt, eine Manifestation von Stärke und ein letztes Aufzucken, das den Zuschauer berührt.
In einem szenischen Bild, in dem erhabene neben gewöhnlichen Elementen existieren, stellt Castelluccis Regie weniger die Sehnsucht nach der Kopf-Trophäe des Jochanaan in den Vordergrund als das Abschneiden, das Wegschneiden; nicht das Objekt der Begierde, das immer schon verloren ist, sondern die berührende Einsamkeit einer Frauenfigur, an der man Anteil nimmt. Und hier stürzt der Akt des Ansehens durch seine endgültige Unterbindung in den Abgrund des Begehrens.

Herodes: John Daszak
Herodias: Anna Maria Chiuri
Salome: Asmik Grigorian
Jochanaan: Gábor Bretz
Narraboth: Julian Prégardien
Ein Page der Herodias/Sklavin: Avery Amereau

Wiener Philharmoniker, Franz Welser-Möst
Inszenierung: Romeo Castellucci
Choreografie: Cindy Van Acker