Maurizio Pollini spielt Beethoven

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© Foto: ARTE/Cosimo FillippiniArte, 26.02.2020, 05:00-05:45 Uhr. Anlässlich des Beethovenjahres 2020 widmet sich einer der größten Pianisten der Gegenwart noch einmal dem Spätwerk Ludwig van Beethovens: Maurizio Pollini kehrt für die Einspielung der Klaviersonaten Nr. 31 und 32 wieder in den Münchner Herkulessaal zurück. Genau dort entstanden seit den 1970er-Jahren die legendären, scharf konturierten und klaviertechnisch perfekten Studioeinspielungen des Sonatenzyklus. In seiner seit nunmehr rund 60 Jahren andauernden Karriere hat sich Pollini medial stets rar gemacht und ist immer nur mit wenigen ausgewählten Werken vor die Welt getreten, ganz nach dem Vorbild seines Lehrers. Seiner Plattenfirma hat der Perfektionist Pollini bis in die jüngste Zeit nur Studioaufnahmen erlaubt. Dass er jetzt, im Alter von 77 Jahren, doch noch einer Liveaufzeichnung zugestimmt hat, ist eine Sensation, aber auch logisches Resultat seiner Entwicklung als Pianist. Denn wie er selbst sagt: »Meine Beschäftigung mit Beethoven hört ja nicht auf.«
Auf dem Programm stehen die Klaviersonate Nr. 31 in As-Dur op. 110 und die Klaviersonate Nr. 32 in c-Moll op. 111. Die Onlinefassung des Konzertes enthält zusätzlich die Klaviersonate Nr. 30 in E-Dur, op. 109.

Vladimir Horowitz – Das Moskau-Konzert (1986)

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© Foto: Arte/Getty ImagesArte, 13.10.2019, 17:40-17:35 Uhr und 14.10.2019, 05:00-05:45 Uhr. Im April 1986 kehrt Vladimir Horowitz, der berühmteste Pianist des vergangenen Jahrhunderts, in seine russische Heimat zurück. 61 Jahre lang war er nicht mehr in der kommunistischen Sowjetunion gewesen – einer der auszog, um Karriere zu machen. Doch jahrelang gab er keine Konzerte – künstlerische Krisen und Depressionen waren der Grund. Sein Auftritt in Moskau gleicht für viele Menschen einem Wunder. Die Menschen kampieren auf der Straße, um ein Ticket zu ergattern. Für sie ist Horowitz mehr als ein begnadeter Pianist: Er ist ein lebendes Zeichen dafür, dass die Grenzen zwischen Ost und West nicht unüberwindlich sind. Doch das Konzert ist auch ein Zeichen dafür, dass Horowitz seine eigene Krise überwunden hat. Nicht einmal sein Manager Peter Gelb wettet noch einen Cent auf eine weitere künstlerische Großtat von Horowitz. Zu tief ist dieser in psychische Probleme und die Abhängigkeit von Tabletten verstrickt. Mit über 80 Jahren ist er außerdem in einem Alter, in dem sich andere längst zur Ruhe gesetzt haben. Aber Horowitz zeigt es allen: mit einem Konzert, das höchste Virtuosität mit tänzerischer Leichtigkeit verbindet, äußersten Spielwitz mit zu Tränen rührender Poesie. Die Sendung lässt das Konzert Revue passieren: Weltstars wie Martha Argerich oder Daniil Trifonov, stete Bewunderer von Horowitz, kommentieren sein Spiel; Besucher und Beteiligte von damals erinnern sich an die Ereignisse um das Konzert.

Für alle, die das Horowitz-Konzert in Moskau in ganzer Länge nacherleben wollen: Nach der Fernsehausstrahlung auf ARTE ist es im Internet unter arteconcert.com abrufbar.

Lev Vinocour – Schweizer Klavierabend in Sankt Petersburg

Lev Vinocour (Foto: © ZDF und SRF/Lev Vinocour)

Lev Vinocour (Foto: © ZDF und SRF/Lev Vinocour)3Sat, 28.04.2019, 10:05-10:50 Uhr. Petersburger Scheremetjew Palast, 2018. Lev Vinocour spielt in seiner Heimatstadt St. Petersburg selten aufgeführte Stücke von Schweizer Komponisten. Es sind Werke, die in Russland entstanden sind oder sich auf Russland beziehen.
Der renommierte Pianist Lev Vinocour stammt aus St. Petersburg. Seine musikalische Ausbildung führte ihn für mehrere Jahre in die Schweiz. Dort entdeckte er seine Liebe zu den Schweizer Komponisten Paul Juon, Jacques Handschin und Emil Frey. Allen dreien ist gemein, dass sie lange Zeit in Russland lebten und stark von der russischen Musik beeinflusst waren.

Programm:
Paul Juon (1872-1940)
– Farfalla Walzer, op. 58
– Kleine Suite, op. 20
– Chant russe et variations, op. 56 Nr. 10

Jacques Handschin (1886-1955)
– Largo cis-Moll
– Zwei Preludes: g-Moll und As-Dur

Emil Frey (1889-1946)
– Premier morceau de Fantasie
– Kleine slawische Suite, op. 38

Clara Haskil – Der Zauber der Interpretation

Foto: © Seppia/Roger Hauert

Foto: © Seppia/Roger HauertArte, 27.08.2017, 23:05-00:00 Uhr. Clara Haskil gilt als eine der größten Klaviervirtuosinnen des 20. Jahrhunderts. Ihr grenzenlos freies Spiel überzeugte durch eine unglaublich vitale Klangfülle: Dirigenten wie Christian Zacharias, Pianisten wie Michel Dalberto oder Eliane Reyes, Freunde wie Eugène Chaplin und der Maler Michael Garady sowie der Musikkritiker Alain Lompech erinnern sich an ihr Talent und ein Leben, das voller Musik, aber auch voller persönlicher Prüfungen und Drangsal war. Ergänzend zu den Interviews bringen Auszüge aus Clara Haskils Briefen dem Zuschauer ihr bewegtes Leben nahe. Clara Haskil wurde 1895 in Bukarest in eine jüdischen Familie geboren und galt bereits als Dreijährige als Wunderkind. In Wien und Paris studierte sie ab 1903 bei Richard Robert, Gabriel Fauré und Alfred Corot. Als 15-Jährige begab sie sich auf Konzerttourneen nach Frankreich, in die Schweiz und Italien. 1913 blockierten ernste gesundheitliche Probleme – aufgrund von Skoliose musste sie vier lange Jahre ein Gipskorsett tragen – zeitweise ihre Karriere. Nach zahlreichen Konzerten in Europa debütierte sie 1924 in den USA in New York und Boston. Ab 1927 lebte sie wieder in Paris. Im Mai 1942 musste ihr ein Tumor entfernt werden, der auf ihren Sehnerv drückte. Kurz vor der Besetzung Marseilles durch die deutsche Wehrmacht konnte sie sich im November 1942 in die Schweiz absetzen. Erst ab den 50er Jahren konnte sie von ihren Einnahmen leben und sich einen eigenen Flügel leisten. Erst in späteren Lebensjahren wurde sie als überragende Mozart-Interpretin ihrer Generation gefeiert. Clara Haskil starb 1960 in Brüssel an den Folgen eines Treppensturzes. Als Hommage an die unbeirrbare Frau und Künstlerin Clara Haskil sagte Charlie Chaplin auf ihrer Beerdigung: »In meinem Leben traf ich drei Genies: Clara Haskil, die beiden anderen waren Einstein und Sir Winston Churchill.«
Obwohl es von ihren Konzerten keine Filmaufnahmen gibt, schöpft der Film aus einem reichen Nachlass. An Clara Haskil erinnern unveröffentlichte Klaviereinspielungen wie etwa von Robert Schumanns »Kinderszenen«, ein reger Briefwechsel, viele Fotos und Kalendereinträge sowie ihr Klavier, ihre Noten und natürlich der renommierte Internationale Klavierwettbewerb Clara Haskil, der nach ihrem Tode im schweizerischen Vevey ins Leben gerufen wurde.