Stravinski, The Rake’s Progress – Festival d’Aix 2017

Foto: © Arte/Pascal Victor/ArtComPressArte, 09.07.2018, 00:30-03:00 Uhr. In seiner Oper »The Rake’s Progress« porträtiert Igor Strawinsky einen jungen Libertin, dessen zunächst fulminanter Aufstieg im Wahn endet. Simon McBurneys ebenso virtuose wie kreative Inszenierung für das Opernfestival von Aix-en-Provence wartet mit einer attraktiven jungen Besetzung auf, die unter Eivind Gullberg Jensens eleganter musikalischer Leitung glänzen darf.

Orchestre De Paris, Eivind Gullberg Jensen
Regie: Francois Roussillon
Inszenierung: Simon McBurney

»The Rake’s Progress« (zu Deutsch: »Die Laufbahn eines Wüstlings«) entstand zwischen 1948 und 1951 und ist eine von Igor Strawinskys wenigen traditionellen Opern. Sie gilt als der Schlusspunkt der neoklassizistischen Periode des Komponisten. In freier Anlehnung an eine Bildserie des englischen Malers William Hogarth zeichnet sie in acht Bildern Aufstieg und Fall eines jungen Erben nach. Das Libretto stammt von dem Dichter W. H. Auden und dem Dramatiker Chester Kallman. Sie gaben nicht nur der Hauptfigur, dem Libertin Tom Rakewell (‚rake‘ ist die englische Bezeichnung für Lebemann), sondern auch zwei weiteren Protagonisten vielsagende Namen: dem teuflischen Nick Shadow und der Liebenden Ann Trulove. Der von Nick Shadow vorgeschlagene Faustsche Pakt verspricht Rakewell Reichtum und ein sorgenfreies Leben, das jedoch von Ausschweifungen und Betrügereien geprägt ist: Der von dieser zügellosen Existenz zugrunde gerichtete Libertin endet in der Psychiatrie. Simon McBurney, einer der herausragenden Theatermänner der Gegenwart, siedelt Strawinskys Werk für das Festival von Aix-en-Provence in der heutigen Zeit an: Tom Rakewell erliegt den Illusionen der Finanzspekulation und des schnellen Reichtums. Das zu Anfang völlig weiße Bühnenbild entwickelt sich im Verlauf der Oper zu einer virtuosen Multimedia-Inszenierung, von der Videoprojektion bis hin zur Smartphone-Aufnahme. Die Aufführung ist mit jungen Sängerinnen und Sängern besetzt, allen voran Paul Appleby als naiver Lebemann, Kyle Ketelsen als düsterer Mentor und Julia Bullock als die Liebende. Der Norweger Eivind Gullberg Jensen dirigiert mit großer Eleganz den feurigen Chor English Voices und das Orchestre de Paris.

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