Nijinsky – Ballett von John Neumeier

Foto: © Arte/Kiran WestArte, 16.04.2018, 00:45-02:55 Uhr. Das Wirken und Leben des Jahrhunderttänzers Nijinsky ist für John Neumeier ein Thema, mit dem er sich, seit seiner Jugend intensiv befasst hat. Am 19. Januar 1919 um fünf Uhr nachmittags tanzte Waslaw Nijinsky im Ballsaal des Suvretta House in St. Moritz zum letzten Male öffentlich. Er nannte seine Vorstellung »Hochzeit mit Gott«. John Neumeiers Ballett »Nijinsky« beginnt mit einer realistischen Wiedergabe dieser Szene. Die folgende Choreographie erzählt von Nijinskys Gedanken, Erinnerungen und Wahnvorstellungen während seines letzten Auftrittes.
Hervorgerufen durch das Trugbild seines ehemaligen Mentors, Impresarios und Liebhabers Sergej Djagilew ruft sich Nijinsky Bilder seiner sensationellen Karriere mit den Ballets Russes ins Gedächtnis zurück. Seine Schwester Bronislawa, sein älterer Bruder Stanislaw und seine Mutter Eleonora Bereda erscheinen in seiner traumdurchwebten Fantasie. Romola de Pulszky, Nijinskys spätere Frau, durchkreuzt ebenfalls seine verworrenen Erinnerungen.
Im zweiten Teil führt Nijinskys Wahnsinn den Zuschauer tiefer in sein inneres Wesen. Erinnerungen an Kindheit, Familie, Schule und Mariinski-Theater vermischen sich mit alptraumhaften Kriegsvisionen und der Untreue seiner Frau. Die skandalträchtige Premiere seines Balletts »Le Sacre du Printemps« wird der Brutalität des Ersten Weltkrieges und dem Tod seines Bruders Stanislaw gegenübergestellt. In Nijinskys Wahrnehmung ist es zunehmend die Welt um ihn herum, die »geisteskrank« ist – nicht er selbst.

Regie: Thomas Grimm
Bildregie, Choreographie, Inszenierung: John Neumeier

 

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