Gioachino Rossinis »Die Italienerin in Algier«

© Foto: ARTE/SF/Ruth WaltzArte, 25.11.2018, 23:00-02:00 Uhr. Bereits zu den Pfingstfestspielen 2018 hatte die Neuproduktion von Rossinis »Italienerin in Algier« in Salzburg Premiere. Die Intendantin selbst – die große Cecilia Bartoli – verkörpert Isabella mit ihrem unbestechlichen Mezzosopran. Regie führt das Lieblingsteam der Bartoli: das Duo Moshe Leiser und Patrice Caurier. Jean-Christophe Spinosi dirigiert das Originalklangensemble Matheus. In weiteren Solistenrollen sind Edgardo Rocha als Lindoro, Ildar Abdrazakov als Mustafà und Rebeca Olvera als Elvira zu erleben. ARTE zeigt die Wiederaufnahme der »Italienerin in Algier« der Salzburger Festspiele des Sommers 2018.

Philharmonia Chor Wien, Orchester: Ensemble Matheus
Dirigent: Jean-Christophe Spinosi
Inszenierung: Moshe Leiser, Patrice Caurier
Kostüme: Agostino Cavalca
Bühnenbild: Christian Fenouillat
Licht: Christophe Forey
Regie: Tiziano Mancini

Mit Cecila Bartoli (Isabella), Ildar Abdrazakov (Mustafà), Edgardo Rocha (Lindoro), Alessandro Corbelli (Taddeo), José Coca Loza (Haly), Rebeca Olvera (Elvira), Rosa Bove (Zulma)

Bald weiß Mustafà nicht mehr, wie ihm geschieht. Die schöne schiffbrüchige Isabella verdreht dem türkischen Bey von Algier den Kopf. Aber es handelt sich nur um ein Ablenkungsmanöver, denn eigentlich möchte die »exotische« Italienerin ihren geliebten Lindoro aus der Gefangenschaft befreien und mit ihm in die Heimat nach Italien fliehen. Gar nicht so leicht, denn Mustafà ist seiner Frau Elvira überdrüssig, und da kommt ihm sein Lieblingssklave Lindoro gerade recht. Er soll Elvira heiraten, damit Mustafà der Weg für neue Liebesabenteuer freisteht. Und damit ist die Szenerie für Rossinis meisterhaft groteskes Machtspiel zwischen Männern und Frauen in »interkulturellem Gewande« eröffnet.
Seit über 200 Jahren reißt das Dramma giocoso das Publikum zu Begeisterungsstürmen hin. Nach der Uraufführung im Jahr 1813 in Venedig am Teatro San Benedetto wurde es kurz darauf an anderen Opernhäusern aufgenommen – so ab 1816 in München, Wien, London und New York. Das mag am »organisierten und vollständigen Wahnsinn« liegen – so beschrieb Stendhal Rossinis Musik zielsicher. Gerade weil die Figuren in so absurden Verwicklungen stecken und musikalisch und szenisch so witzig komponiert sind, dass man sich ihrem Charme kaum entziehen kann.
Bereits zu den Pfingstfestspielen 2018 hatte die Neuproduktion von Rossinis »Italienerin in Algier« in Salzburg Premiere. Die Intendantin selbst – die große Cecilia Bartoli – verkörpert Isabella mit ihrem unbestechlichen Mezzosopran. Die Frau, die die Fäden in der Hand hat und gewitzt die Männer in ihre Schranken weist.
Regie führt das Lieblingsteam der Bartoli: das Duo Moshe Leiser und Patrice Caurier. Mit Jean-Christophe Spinosi am Pult und dem Originalklangensemble Matheus und einem hervorragend besetzten Ensemble – Edgardo Rocha singt den Lindoro, Ildar Abdrazakov den Mustafà und Rebeca Olvera Elvira – zeigt Cecilia Bartoli ein weiteres Mal, dass ihre gestalterischen Fähigkeiten, ihr Gefühl für Besetzung und Timing, ihre genaue Kenntnis der Musik zu Kunstgenuss auf höchstem Niveau und voller musikalischer Überraschungen führen.

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