Aus Brüssel: Mozarts »Lucio Silla«

Foto: © Arte/B. Uhlig/La Monnaie/De MuntArte, 21.01.2018, 23:45-02:40 Uhr, Opernhauses La Monnaie/De Munt Brüssel, 2017
»Lucio Silla« ist das Meisterwerk eines Genies: Mozart komponierte das Liebes- und Politdrama mit gerade einmal 16 Jahren – vermutlich unter dem Eindruck der eigenen Pubertät. Nach »Mitridate, re di Ponto« und der Serenata teatrale »Ascanio in Alba« ist »Lucio Silla« Mozarts letzte Opera seria. Obwohl sie im Wechsel von Arie und Rezitativ noch den Geist des Barock atmet, gibt die Musik den Duetten und dem Chor deutlich mehr Raum. Auch die Partitur ist federleicht und von vollendeter Grazie.
Mozarts imaginärer Charakter erinnert an Titus aus »La clemenza di Tito«, einen anderen Opernhelden des Komponisten. Silla beweist in dem Moment, als er die Feinde strafen soll, die in seine Gewalt geraten sind, außergewöhnliche Seelengröße – eine unerwartete Wendung. Seine vergebliche Suche nach Liebe in einem Netz von Verschwörungen treibt ihn dazu, der Macht zu entsagen und alle erlittenen Verletzungen zu vergeben.
Für diese Inszenierung am Brüsseler Opernhaus La Monnaie/De Munt hat der deutsche Regisseur Tobias Kratzer ein zeitgenössisches und düsteres Bühnenbild gewählt, das nichts mit dem antiken Rom zu tun hat, um gemeinsam mit Dirigent Antonello Manacorda die Universalität der Beziehungen zwischen den Figuren herauszuarbeiten. Der Tenor Jeremy Ovenden verkörpert den römischen Diktator Lucio Silla, die Rolle der von ihm umworbenen Giunia wird von der talentierten Sopranistin Lenneke Ruiten übernommen, die Stammgast am De Munt ist.

Orchestre symphonique de la Monnaie, Antonello Manacorda
Inszenierung: Tobias Kratzer
Regie: Myriam Hoyer
Mit Lenneke Ruiten, Ilse Eerens, Anna Bonitatibus, Carlo Allemano

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