Oper Zürich: Giuseppe Verdis »Nabucco«

© Foto: Arte/Monika RittershausArte, 10.11.2019, 23:25-02:20 Uhr. Chor der Oper Zürich, Philharmonia Zürich, Fabio Luisi. Mit Michael Volle (Nabucco), Benjamin Bernheim (Ismaele), Georg Zeppenfeld (Zaccaria), Anna Smirnova (Abigaille, vermeintliche erstgeborene Tochter Nabuccos), Veronica Simeoni (Fenena), Stanislav Vorobyov (Oberpriester des Baal), Omer Kobilijak (Abdallo), Ania Jeruc (Anna). Andreas Homoki (Inszenierung), Wolfgang Gussmann (Bühnenbild), Wolfgang Gussmann und Susana Mendoza (Kostüme), Franck Evin (Licht), Fabio Dietsche (Dramaturgie).

»Nabucco« ist die Erfolgsoper des jungen Giuseppe Verdi. Ausgehend vom Konflikt zwischen den Babyloniern und den Hebräern entwickelten der Regisseur Andreas Homoki und der Dirigent Fabio Luisi in ihrer Bearbeitung ein Familiendrama mit der Königstochter Abigaille im Zentrum, das bei seiner Premiere im Juni 2019 in Zürich vom Publikum frenetisch gefeiert wurde.
Der berühmte Gefangenenchor »Va pensiero sull’ali dorate« aus »Nabucco« gilt als Herzstück der gesamten Oper. Und an eben diesen Worten soll sich einst die Fantasie Giuseppe Verdis entzündet haben, als sein Blick auf diese Stelle des Librettos von Temistocle Solera fiel. Mit seiner dritten Oper – geschrieben in dunkler, durch eine Reihe von Todesfällen überschatteter Zeit – rettete sich Verdi gleichsam selbst: Mit »Nabucco« fand er zu einer eigenen musikdramatischen Sprache, für die weit ausschweifende Linien und explosive Rhythmen gleichermaßen charakteristisch sind. Verdi schrieb später, seine künstlerische Laufbahn hätte in Wahrheit mit der Komposition des »Nabucco« begonnen. Wichtiger Protagonist in diesem Werk ist der Chor in der Rolle der durch die Babylonier gefangenen Israeliten. Vor diesem politischen Hintergrund entspinnt sich das Familiendrama mit der machtbesessenen vermeintlichen Königstochter Abigaille im Zentrum. Schließlich überwindet auch der babylonische König Nabucco seinen Größenwahn und entlässt die gefangenen Israeliten in die Freiheit, eine Thematik, die im Uraufführungsjahr 1842 auf offene Ohren stieß: Das italienische Publikum identifizierte sich mit den Israeliten, litt es doch selbst unter der Fremdherrschaft der Habsburger und Bourbonen. Der Komponist Giuseppe Verdi wurde mit dieser Oper über Nacht zu einer der populärsten Identifikationsfiguren des Risorgimento: Sein Name stand für den Kampf um die politische Selbstbestimmung Italiens.

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