Händels Oratorium »Theodora«

Foto: © Arte/Vincent PontetArte, 03.09.2018, 00:25-03:30 Uhr. Théâtre des Champs-Elysee 2015. Im Entstehungsjahr des Oratoriums 1749 war Händel 64 Jahre alt, und seine großen Erfolge mit dem Genre der Opera seria lagen schon einige Zeit zurück. In den zehn Jahren zuvor hatte er sich zunehmend dem Oratorium zugewandt. Mit einer Dramatik, die den größten Tragödien in nichts nachsteht, erzählt das Werk vom Martyrium der keuschen Theodora, die zur Zeit der Christenverfolgung von den Römern hingerichtet wird. Nicht einmal die Liebe des bekehrten Zenturios Didymus vermag sie zu retten. Theodora liebt, leidet und stirbt mit erschütternder Aufrichtigkeit.
Händel selbst bezeichnete das Werk als sein Lieblingsoratorium, und in der Tat enthält es einige der schönsten Passagen, die er je komponiert hat. Die Partitur ist grandios: Der Komponist preist nicht nur die Kraft des Glaubens, sondern zeichnet auch komplexe psychologische Porträts der Figuren, die vom Strom der Ereignisse ihrer Zeit hilflos mitgerissen werden. Dem Chor kommt die Aufgabe zu, ergreifend emotional den Kontrast zwischen der vernichtenden Gewalt der Römer und dem Mitgefühl der Christen darzustellen.
Händels spätes Meisterwerk wurde am Pariser Théâtre des Champs-Elysées vom britischen Regisseur Stephen Langridge neu inszeniert, die musikalische Leitung hatte Händel-Kenner William Christie. Die Soloparts wurden mit erstklassigen Sängern besetzt: Die junge Katherine Watson übernahm die Titelrolle, Stéphanie d’Oustrac die der getreuen Irene und Philippe Jaroussky interpretierte den zum Christentum bekehrten Zenturio Didymus, der vergeblich versucht, seine geliebte Theodora zu retten.

Les Arts Florissants, William Christie

Theodora: Katherine Watson
Didymus: Philippe Jaroussky
Irene: Stéphanie d´Oustrac
Septimius: Kresimir Spicer
Valens: Callum Thorpe
Der Bote: Sean Clayton

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