Bregenz 2017: Gioachino Rossinis »Moses in Ägypten«

© Foto: Bregenzer Festspiele/Karl Forster3Sat, 04.11.2018, 10:30-13:00 Uhr. Die Bregenzer Festspiele 2017 führten mit »Moses in Ägypten« («Mosè in Egitto«) eine selten gezeigte Oper von Gioachino Rossini auf.
Die niederländische Regisseurin Lotte de Beer inszenierte, gemeinsam mit dem Puppentheater Hotel Modern, die biblische Erzählung vom Auszug des israelitischen Volkes aus Ägypten und die Liebesgeschichte von Osiride und Elcìa.
Osiride, der Thronerbe des großen Pharaos, ist unsterblich in die Israelitin Elcìa verliebt und verhindert mehrmals den Auszug ihres Volkes, um seine Geliebte nicht zu verlieren. Eine tragische Geschichte rund um Freiheit, Begierde und Manipulation.
Manch einer der 1650 Premierengäste stieß sich an der Erweiterung des Bühnengeschehens um die visuelle Ebene von live projizierten Figuren im Kleinformat. Die Mehrheit zeigte sich von dieser Erhöhung des Geschehens durch seine Miniaturisierung jedoch begeistert.
Schließlich hat es nicht zuletzt dramaturgische Gründe, weshalb Rossinis »Opera seria« über Moses‘ Kampf um die Entlassung der Israeliten aus der ägyptischen Gefangenschaft nur selten gespielt wird: Der Repertoirebetrieb tut sich nun einmal schwer, die Teilung des Roten Meeres oder biblische Plagen auf die Bühne zu bringen.
Die junge Niederländerin De Beer löst diesen gordischen Knoten, indem sie ihre Landsleute vom Theaterkollektiv Hotel Modern neben den Sängern die Geschehnisse mit ihren Kleinstpuppen spielen lässt. So entstehen vor den Augen der Zuschauer die ansonsten lediglich geschilderten Passagen im Libretto gleichsam als Actionfilm.
Die Bühne vom Salzburger Bühnen- und Kostümbildner Christof Hetzer, beherrscht von einer gigantischen Kugel als Projektionsfläche, verströmt ansonsten den realen Eindruck von Wüste ohne Exotismen, bietet dem dominierenden Konzept des Puppenspiels genügend Raum, ohne sich gänzlich zurückzunehmen.
Dieses Kunststück gelingt auch der Sängerriege. Die deutsche Sopranistin Mandy Fredrich überzeugt in der Rolle der Pharaonengattin Amaltea mit samtig fließenden Koloraturen, während Goran Juric seinen Moses mit einem sämigen Timbre singt. Diesem Mann folgt man gern in die Wüste. Das Pendant stellt an diesem Abend Sunnyboy Dladla als lyrisch-leichter Tenor in der Partie des Pharaonensohnes dar, der von Andrew Foster-Williams als stimmlicher »grader Michl« gesungen wird. Als ein solcher präsentiert sich auch Dirigent Enrique Mazzola im Graben, der die Wiener Symphoniker beweglich durch den Abend geleitete.

Chor: Prager Philharmonischer Chor
Chorleitung: Lukas Vasilek
Orchester: Wiener Symphoniker
Musikalische Leitung: Enrique Mazzola
Inszenierung: Lotte de Beer
Bühnenbild: Christof Hetzer
Kostüme: Christof Hetzer

Farao: Andrew Foster-Williams
Amaltea: Mandy Fredrich
Osiride: Sunnyboy Dladla
Elcìa: Clarissa Costanzo
Mambre: Taylan Reinhard
Mosè: Goran Juric
Aronne: Matteo Macchioni
Amenofi: Dara Savinova

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